Berufsbild Geräuschemacher/-in: Interview mit Max Bauer

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Interview: Max Bauer über den Beruf als Geräuschemacher

1. Hallo Herr Bauer. Stellen Sie sich und Ihren Beruf kurz vor.

Mein Name ist Max Bauer, geboren am 22.11.1964 in München. Ich war Schlagzeuger und Tontechniker und wurde nach einer 3 jährigen Assistenzzeit bei dem Geräuschemacher Mel Kutbay im Jahr 1995 freiberuflicher Geräuschemacher. Geräuschemacher sind hauptsächlich in der Postproduktion von Filmen tätig. Gelegentlich auch beim Rundfunk. In speziell dafür eingerichteten Tonstudios synchronisieren sie Handlungs- und Bewegungsgeräusche (in Echtzeit zum laufenden Bild), die aus künstlerischen oder technischen Gründen neu aufgenommen werden müssen. Sie erfinden Klänge, komponieren Effekte und kreieren Details für das Sound-Design.

2. Haben Sie sich in Ihrem Beruf spezialisiert? Wenn ja, auf was und wie sehen die allgemeinen Möglichkeiten zur Weiterbildung aus?

An sich ist Geräuschemacher schon ein sehr spezialisierter Beruf. Es gibt in Deutschland ungefähr 40 aktive Kollegen. Neben meiner Tätigkeit als StudioGeräuschemacher für Filme habe ich mich mit einem eigenen Setup und Geräuschkompositionen auf Live-Projekte (Theater, Performance, Vorträge…) spezialisiert. Da Geräuschemacher kein Ausbildungsberuf ist gibt es auch keine schulische bzw. universitäre Weiterbildung. Filmgeschichte, Tontechnik, Musik sind auf jeden Fall Fachbereiche in denen sich eine Weiterbildung als Geräuschemacher lohnt.

3. Ihr Beruf stellt eine Zusammensetzung aus künstlerischer Freiheit und genauen Vorgaben dar. Inwiefern können Sie sich bei der Arbeit frei entfalten?

Ich richte mich bei der Vertonung der Filmszenen in erster Linie nach dem Bild. Dieses gibt mir Klang und Rhythmus des gewünschten Geräusches vor. Natürlich in inhaltlicher Absprache mit den Verantwortlichen des Filmes – mal ist es die Regie, mal Sound-Designer, mal Mischtonmeister. Wie ich allerdings den Ton herstelle entscheide ich.

4. Wie wird man zum Geräuschemacher?

Man erlernt den Beruf in einem Meister-Schüler-Verhältnis von einem erfahrenen Geräuschemacher. Es gibt allerdings bei den jungen Kollegen einige, die über die Tontechnik zum „Geräuschemachen” kamen. Sie haben z.B. über längere Zeit Geräusche editiert oder aufgenommen und sind darüber dann selbst zum Geräuschemacher geworden. Eine Ausbildung bzw. Schule für Geräuschemacher gibt es nicht.

5. Welche Vorkenntnisse sollten Neueinsteiger auf jeden Fall mitbringen?

Das Antizipieren von Bewegungsabläufen ist eine der wichtigsten Fähigkeiten eines guten Geräuschemachers. Außerdem Rhythmusgefühl, tontechnische Erfahrung, Lust am Experimentieren und keine Angst vor unregelmäßigen Arbeitszeiten und Einkünften.

6. Wie technisiert ist Ihr Job, bzw. gibt es in Ihrem Berufsalltag eine Schnittmenge aus analogen und digitalen Arbeitsmitteln?

Es gibt aktive Geräuschemacher, die überhaupt keinen Bezug zu digitalen Arbeitsmitteln haben. Das Recording der Geräusche vor dem Mikrofon ist analog zum laufenden Bild, mit den entsprechenden Requisiten, die man im Laufe eines Geräuschemacherlebens ansammelt. Die Weiterverarbeitung der Töne erfolgt dann digital und als moderner Geräuschemacher ist es auf jeden Fall hilfreich diese Schritte auch zu beherrschen.

7. Haben Sie bereits an bekannten Projekten mitgewirkt? Und woran würden Sie in Zukunft gerne einmal mitarbeiten?

Ich habe mittlerweile an ca. 300 nationalen und internationalen Filmen mitgewirkt. Ca. 200 davon stehen auf www.imdb.de unter meinem Namen. Diverse Preisträger bei den Oscars, dem deutschen Filmpreis oder sonstigen internationalen Filmfestivals sind dabei. Ich möchte eigentlich keine Produktion herausheben. Für meine Zukunft wünsche ich mir, dass der Zauber bleibt.

8. Wie sehen die Chancen für angehende Geräuschemacher auf dem Arbeitsmarkt aus?

Es gibt nach wie vor Bedarf an guten Geräuschemachern. Sofern man die Chance hat, bei einem etablierten Kollegen oder in einem Geräuschestudio mehrere Jahre zu verbringen, stehen die Chancen bei entsprechendem Talent und Ausdauer gut.

9. Wo kann Ihr Job besonders anstrengend sein und für wen ist er eher ungeeignet?

Berge von Requisiten, verstaubte Studios, Tage und Nächte auf Flohmärkten und natürlich Filme sollte man lieben. 10-Stunden Tage vor der „Glotze“ sind normal. Die Aufnahmezeiten liegen je nach Filmprojekt im Regelfall zwischen einem Tag und zwei Wochen und müssen auch in diesem Zeitraum abgewickelt werden. Wochenenden, lange Nächte und kurzfristige Verschiebungen sind üblich. Leider geht der Trend bei vielen nationalen Produktionen in Richtung „billiger und weniger Zeit“ was sich auf die Arbeitsbedingungen auswirkt.

10. Haben Sie ansonsten hilfreiche Ratschläge oder Tipps?

Ob man für so einen Beruf geeignet ist, lernt man am besten durch Ausprobieren. Also einfach bei einem Geräuschemacher anfragen, ob es gerade passt. Tontechnische Vorkenntnisse und Musikalität würde ich persönlich voraussetzen und natürlich Lust auf Film.

Website von Max Bauer

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Berufsbild Geräuschemacher: Übersicht & Aufgaben, Ausbildung & Studium

1. Was ist ein Geräuschemacher?

Bei dem Beruf des Geräuschemachers handelt es sich um einen künstlerischen Filmtonberuf. Der Geräuschemacher (auch: Foley Artist) vertont Hörspiele, animierte Trickfilme, Film- und Fernsehsendungen und auch Theater- oder Musicalvorstellungen. Er ist für die Nachbildung oder Neuerstellung von Soundeffekten, Atmosphären und nicht-sprachlichen Tonereignissen zuständig. Er ist stetig auf der Suche nach neuen Geräuschquellen, mit denen er dann zum Beispiel synchron zu einer Filmszene die entsprechenden Töne zu machen versucht. Logischerweise machen in vielen Fällen erst die Geräusche Unterhaltungsmedien wirklich spannend, doch das zu schaffen erfordert viel Erfahrung, Fantasie und Experimentierfreudigkeit.

2. Wie wird man zu einem Geräuschemacher?

Um den Beruf des Geräuschemachers ausüben zu können, braucht man keinen besonderen Schulabschluss, sondern viel mehr Hörbegabung, technisches Verständnis, gutes akustisches Gedächtnis, Geduld, Ausdauer, Flexibilität, Ideenreichtum und man muss exakt arbeiten können. Einsteigen kann man in diesem Beruf sehr gut durch Praktika und Erstberufe, wie den des Tonassistenten oder den des Mediengestalters. Die Entwicklung der individuellen Herangehensweise zur Erzeugung bestimmter Klänge ist dabei sehr wichtig. Im Laufe der Zeit entsteht bei jedem Geräuschemacher eine umfangreiche Sammlung von Gegenständen zur Geräusch- und Klangerzeugung. Ein angehender Geräuschemacher lernt in einem Lehrer-Schüler- Verhältnis von einem erfahrenen Geräuschemacher, bis er selbstständig arbeiten kann.

Man hat die Chance, vom Geräuschemacher aufzusteigen, und zwar zum Tonmeister, Post-Producer, Audio-Designer oder Multimediadesigner.

3. Tätigkeiten eines Geräuschemachers

Der Geräuschemacher macht sich verschiedene Requisiten, wie zum Beispiel Böden, Holzlatten und seinen eigenen Körper, zu Nutze, um ein möglichst reales Geräusch zu erzeugen. Dafür muss natürlich auch das Mikrofon perfekt geeignet, also sehr empfindlich sein und direkt an der Geräuschquelle stehen. Der Geräuschetonmeister (auch: Foley Mixer) arbeitet eng mit dem Geräuschemacher zusammen und nimmt seine Performance auf, während er unter technischen und künstlerischen Aspekten klangformend mit- und ggf. umgestaltet. Diese Nachvertonung findet im Foley-Studio statt. Die Ziele eines Geräuschemachers sind es, in Absprache mit einem Sounddesigner

spezielle Soundeffekte und Soundatmosphären zu erzeugen und/oder Klaggrundmaterial für den Sounddesigner zu kreieren. Besonders im Bereich des Kinos werden zunehmend Einzelklänge eines einzigen Geräusches vom Geräuschemacher aufgenommen und später von einem Foley Editor sehr aufwendig geschnitten und übereinandergelegt. Dadurch, dass ein Geräuschemacher für jedes Projekt seine Klänge neu schafft, sorgen diese im Ergebnis (z.B. im Film) für die nötige Echtheit.

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