Berufsbild Regisseur/-in: Interview mit David Gruschka

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Interview: David Gruschka über den Beruf als Regisseur

1. Hallo Herr Gruschka. Stellen Sie zuerst sich und Ihren Werdegang kurz vor.

Ich habe 2001 als Regiehospitant bei einer Theaterproduktion von Shakespeares „Sommernachtstraum“ am Berliner Ensemble meine berufliche Laufbahn angefangen. Ich wollte eigentlich zum Film, wusste aber nicht so recht, wo man sich da bewerben sollte. Zu meinem Glück war der Regisseur des Stücks Leander Haussmann, der mich kurz darauf als seinen persönlichen Assistenten zum Dreh von „Herr Lehmann“ mitnahm. „Boje Buck“, die Firma die den Film produzierte, und der verbundene Filmverleih „Delphi“ gefielen mir sehr und so kam es, dass ich die nächsten Jahre gleich dort blieb. Bei Boje Buck arbeitete ich in der Stoffentwicklung oder an den Filmsets der Eigenproduktionen und bei Delphi im Marketing. In dieser Zeit brachte ich mir außerdem Filmschnitt bei. Mit Letzterem machte ich mich dann irgendwann selbstständig und schneide bis heute Filmtrailer für die Miete meiner Wohnung. Nachdem ich mit dem Schneiden ein relativ sicheres Standbein geschaffen hatte, wollte ich mich nun Richtung Filmregie bewegen. (Was eigentlich von Anfang an mein Plan gewesen war.) Ich drehte zuerst einen mittellangen Film, der dann beim Max-Ophüls-Preis in Saarbrücken lief und dort den Publikumspreis gewann. Im Jahr darauf wurde mir die Regie bei einem Fernsehfilm für die ARD angeboten.

2. Haben Sie sich auf bestimmte Bereiche spezialisiert? Falls ja, warum? (Film, Theater, oder noch spezieller?)

So richtig spezialisiert habe ich mich eigentlich nicht. Am ehesten vielleicht noch im Bereich Schnitt, da ich viele Kinofilmtrailer schneide. Da ich lange bei einem Filmverleih gearbeitet habe, kenne ich die Herstellung von Trailern sowohl aus Kunden-, als auch aus Sicht des Cutters.

3. Wo arbeiten Sie gerade? Wie kann man sich Ihren Arbeitsalltag vorstellen?

Momentan entwickle ich einen eigenen Filmstoff und versuche einen Roman für die Leinwand zu adaptieren. Der Arbeitsalltag sieht so aus, dass man sich entweder mit dem Laptop zurückzieht, oder mit Produzenten und Co-Autoren trifft, um Ideen zu besprechen.

4. Was ist Ihrer Meinung nach besonders attraktiv an diesem Beruf? Was ist an Ihrer Arbeit besonders attraktiv?

Im besten Fall kann man eigene Ideen verwirklichen. Ich habe flexible Arbeitszeiten, zwischen den Projekten viel Zeit und es wird nie langweilig.

5. Welche Vorkenntnisse sind in dieser Branche besonders wichtig? Muss man zwingend ein Studium abschließen, um Regisseur zu werden?

Man muss sich natürlich mit der Materie und mit dem Handwerk bestens auskennen. Ich komme über die Praxis und habe mir viel selbst beigebracht. Allerdings kommen, glaube ich, mehr Regisseure über den klassischen Weg der Filmhochschulen in den Beruf. Das muss jeder für sich entscheiden, schwierig ist beides. Regieassistent ist allerdings nicht unbedingt der beste „Ausbildungsberuf“, wenn man selber Regie führen will. Ein paar mal Assistent gewesen zu sein ist hilfreich, danach läuft man aber Gefahr, dort hängen zu bleiben. Die Arbeit als Assistent hat fast nichts mit der Arbeit des Regisseurs zu tun.

7. Was sind die größten Herausforderungen in der Filmproduktion? Welches Projekt war bisher das Schwierigste für Sie und warum?

Ich glaube die größte Herausforderung ist, ein wirklich gutes Drehbuch zu entwickeln. An dem Drehbuch zu meinem Langfilm habe ich lediglich mitgearbeitet, es aber nicht allein geschrieben. Ich glaube das schwierigste Projekt war bislang ein eigenes Drehbuch, an dem ich lange geschrieben habe. Ich fand den Stoff super, allerdings fand ich niemanden, der das Buch produzieren wollte. So wanderte es in die Schublade. Mit etwas Abstand ist mir inzwischen klar, was die Probleme des Buchs sind. Vielleicht hole ich es irgendwann noch mal raus und beiß mir wieder die Zähne daran aus.

8. Wie sehen die Chancen für angehende Regisseure/-innen in der Berufswelt aus? Muss man sich auf finanzielle Durststrecken einstellen?

Selbst die Regie-Absolventen der Filmhochschulen arbeiten später nicht alle als Regisseure. Und im Kino sind im Moment die allerwenigsten Filme kommerziell erfolgreich. Von daher stehen die Chancen schlecht. Standen sie aber wahrscheinlich schon immer, da die Anzahl der Posten einfach gering ist. Ich habe mit meiner Arbeit als Cutter noch ein weiteres Standbein zum Geldverdienen. Wenn man als Regisseur nur die Projekte machen möchte, die einem wirklich am Herzen liegen und „Brotjobs“ ablehnt, dann wird es in den allermeisten Fällen Durststrecken geben.

9. Welche Ansprüche werden an Regisseure/-innen gestellt? Was muss man in diesem Beruf vor allem mit sich bringen?

Man muss sich gut verkaufen können, ein Team führen, Produzenten und Redakteure begeistern können, sich mit seinem Handwerk bestens auskennen, am besten auch noch mit dem Handwerk der anderen beteiligten Gewerke, man sollte „Visuell“ denken können, die Schauspieler nicht vollquasseln, sondern spielbare Regieanweisungen geben können, außerdem langen Atem, Geduld und ein dickes Fell mitbringen.

10. Haben Sie ansonsten hilfreiche Ratschläge oder Tipps?

Da ich selber gerade erst am Anfang meiner beruflichen Laufbahn stehe, kommt es mir komisch vor, groß Ratschläge zu geben. Ich selber hatte einfach oft viel Glück, war ansonsten fleißig und habe trotz allem Stress, immer versucht freundlich zu bleiben.

Website von David Gruschka

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Berufsbild Regisseur: Übersicht & Aufgaben, Ausbildung & Studium

1. Was ist ein Regisseur?

Bei der Neuentstehung eines Filmes stellen Regisseurinnen und Regisseure von der Vorbereitung bis zum Ende der Arbeiten die Treibende Kraft in punkto künstlerischer Gestaltung dar. Sie reproduzieren und interpretieren nicht bereits bestehende Werke, sondern erarbeiten selbstständig originale Projekte. Bereits vor Beginn der eigentlichen Dreharbeiten hat jeder Regisseur eine detaillierte Vorstellung vom letztendlichen Film und all den verschiedenen Teilen, aus denen er besteht. Unabhängig vom Bereich gilt das für alle Filmregie-Arten (dazu zählen unter anderem die Kino-, Video- oder die Fernsehregie) und -Gattungen (z.B. Spielfilm, Musikvideo, Dokumentation, Trickfilm oder Werbevideo).

2. Voraussetzungen für die Tätigkeit in der Regie

Die Zusammensetzung von dramaturgischen, darstellerischen, sprachlichen, musikalischen und visuellen Elementen zu einem Filmwerk verlangt einem Regisseur gleich eine ganze Kombination aus verschiedenen Fähigkeiten ab. Auch technische und künstlerische Mitarbeiter zu koordinieren und zu motivieren gehört zur Tagesordnung. Einen anerkannten und allgemein gültigen Ausbildungsweg zum Beruf des Regisseurs gibt es nicht.

3. Der Aufgabenbereich

Der Berufsalltag eines Regisseurs gliedert sich in folgende Bereiche:

  • Absprachen mit Produzent oder Fernsehsender über die beabsichtigte Gesamtwirkung des Werks und der benötigten Produktionsmittel
  • Enge Zusammenarbeit mit den beschäftigten Autoren zur Bildung einer stofflichen Vorlage
  • Detaillierte Ablaufplanung der Produktion unter Berücksichtigung der finanziellen und produktionstechnischen Gegebenheiten
  • Das Casting der Darsteller
  • Zusammenstellen der Crew oder auch des künstlerisch-technischen Stabes (also Szenenbild, Kamera, Kostüm, Schnitt, Ton, Regieassistenz, Continuity)
  • Erstellen eines Szenenkonzepts und der Bildfolge für jede Szene. Das Aufsetzen eines Regiebuchs, oder auch Shooting Scripts bzw. Storyboards gehört hier ebenfalls dazu. Dazu zählt auch die Auswahl von Drehorten und Schauplätzen, sowie die Planung und Entwicklung von gebauten Sets. In Zusammenarbeit mit dem Szenenbild, der Kamera und der Regieassistenz werden außerdem Massenszenen festgelegt, Spezialeffekte und Stunts geplant, besondere technische Aufwendungen kalkuliert und zusätzliche Kamerateams koordiniert.
  • Abstimmen von Kostümen, Masken und Requisiten
  • Planung der Rollen- sowie der musikdramaturgischen –Konzeption
  • Miterarbeitung des Drehplans
  • Durchführung der eigentlichen Dreharbeiten. Das beinhaltet die endgültigen Entscheidungen über Sets, die Anzahl der Einstellungen, Positionen, Bewegungen und Bildausschnitte der Kamera, schauspielerische Interpretationen. Dazu gehört außerdem, auch Unvorhergesehenes in die festgelegten Abläufe zu integrieren.
  • Auswählen der Takes bei der Sichtung der fertigen Aufnahmen
  • Anfertigen des Roh- und Feinschnitts in Kooperation mit den Cuttern
  • Produktion der endgültigen Fassung des Films. Das beinhaltet: Überwachung der Sprach-Synchronisation, der Musik- und Geräuschaufnahmen und der Endmischung, sowie die Festlegung der Titelgestaltung.
  • Teilnahme an PR-Maßnahmen des Produzenten, Verleihers oder Fernsehsenders sowie die Mitarbeit an der Gestaltung von Werbe- und Informationsmaterial zum Film

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