Berufsbild Cutter/-in: Interview mit Markus F. Wagner

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Interview: Markus F. Wagner über den Beruf als Cutter

1. Hallo Herr Wagner, präsentieren Sie kurz sich und Ihren Werdegang.

Mein Name ist Markus F. Wagner. Ich habe beim Regionalfernsehen die Ausbildung zum Mediengestalter Bild und Ton absolviert. Täglich war ich unterwegs mit der Kamera, regelmäßig habe ich die Moderationen aufgezeichnet und hin und wieder habe ich Berichte geschnitten. Im Anschluss daran habe ich ein weiteres Jahr bei meinem Ausbildungsbetrieb gearbeitet. In der Zeit kümmerte ich mich hauptsächlich um Sendeteaser, Animationen und Werbespots.

Zwei Jahre bin ich dann nach London gegangen wo ich bei einem Fernsehstudio gearbeitet habe. Hier war ich als Studio Operator für Liveschalten zuständig. Alle großen internationalen Sender haben von diesem Studio aus geschaltet. Es war eine sehr interessante und arbeitsintensive Zeit in London. Nach den olympischen Sommerspielen 2012 bin ich zurück nach Süddeutschland und habe mich als Kameramann, Cutter und Steadicam Operator selbstständig gemacht. Seither habe ich für viele unterschiedliche Sender und Produktionsfirmen gearbeitet. Heute bin ich hauptsächlich Cutter.

2. Wo wird ein Cutter eingesetzt und was sind seine Aufgaben?

Ich arbeite als Cutter sowohl für Produktionsfirmen als auch für Sendeanstalten. Die Aufgaben sind sehr unterschiedlich. Mal schneide ich mehrere Tage an einem kurzen, knackigen Werbespot oder einem kurzen Imagefilm, dann sitze ich wieder vor einer tagesaktuellen Geschichte, die innerhalb von zwei/drei Stunden fertig geschnitten, vertont und überspielt sein muss. Dabei sind es immer Audio- und Videodateien, die ich sinnvoll aneinander puzzle und damit entweder eine Botschaft rüberbringen soll oder eine Geschichte erzählen darf.

3. Muss man als Cutter sehr spontan sein, was Arbeitsaufträge angeht?

Ja. Spontanität gehört auf jeden Fall dazu. Ich bin eigentlich immer erreichbar und versuche jeden Anruf anzunehmen bzw. wenn ich mal nicht abheben kann, rufe ich so schnell wie möglich zurück. Dann sind es meistens kurzfristige Anfragen, wenn z.B. ein Festangestllter Mitarbeiter krankheitsbedingt ausfällt oder gerade mehr Arbeit da ist, als die Stammbelegschaft schultern kann. Irgendwo brennt es immer.

4. Wie gestalten sich die Arbeitszeiten eines Cutters? Haben Cutter einen festen Tagesablauf? Wenn ja, wie kann man sich diesen ungefähr vorstellen?

Naja, das variiert schon ziemlich stark. Mal ist Arbeitsbeginn um 7Uhr in der Früh, wenn z.B. etwas für eine Sendung geschnitten werden muss, welche um 12Uhr anmoderiert wird, dann kann es auch vorkommen, dass man erst um 18Uhr am Schnittplatz platz nimmt um einen Bericht für die Nacht-Nachrichten fertig zu machen. Schön sind die Produktionen, die für mehrere Tage angesetzt sind. Da kann man sich seine Zeit zum Teil sogar selbst einteilen.

5. Gibt es eine Ausbildung zum Cutter oder muss man auf anderem Wege seine Fähigkeiten erlernen? Welche Möglichkeiten kennen Sie?

Ich würde spontan Antworten, dass die Ausbildung zum Mediengestalter dafür ein guter Einstieg sein kann. Da lernt man zumindest mal ein paar wesentliche Grundlagen und wenn man gut Aufpasst und Berufsschullehrer vor sich stehen hat, die selber auch vom Fach sind, dann kann man dabei schon viel lernen. Aber nichts geht über „learning by doing“. Nur wer selbst regelmäßig Bewegtbilder aneinander strickt, weiß, worauf es im Endeffekt ankommt. Dabei lernt man dann auch schnell und Effektiv zu schneiden.

6. Was mögen Sie an Ihrer Arbeit besonders gerne? In welchen Situationen macht die Arbeit als Cutter vielleicht eher weniger Spaß?

Schön ist es, wenn am Ende ein schicker Film heraus kommt, der seinen Sinn erfüllt. Also entweder ein Film, der die Botschaft punktgenau rüber bringt oder eben ein Film, der die Geschichte verständlich erzählt. Ich persönlich arbeite sehr gerne mit Musik, da lässt sich auch mal „verrückt“ schneiden. Mit der richtigen Musik kann man es dann auch mal krachen lassen. Weniger Spaß macht es, wenn man nicht so recht voran kommen will. Sei es nun daran gelegen, dass das Material schlecht gedreht wurde oder der Redakteur nicht so wirklich einen Plan hat, wie der Film am Ende aussehen soll. Viele Änderungen machen den Arbeitstag oft lang und zäh.

7. Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit Redakteuren? Wieviel Eigeninitiative ist gefordert/gewünscht?

Ich habe es bei letzter Frage bereits angesprochen. Manche Redakteure haben leider keinen konkreten Plan. Dann ist Eigeninitiative vielleicht angebracht, im besten Falle sogar erwünscht. Nur oft begegnet man im Schnittraum Menschen, die sich nicht helfen lassen wollen, da Sie selbst es ja besser wissen.

8. Was verstehen Sie unter einem „guten Schnitt“?

Unter einem guten Schnitt verstehe ich einen Bildübergang, der nicht auffällt. Wenn man zum Beispiel jemanden vor einen Film setzt und der Person die Aufgabe gibt jeden Schnitt zu zählen, und diese dabei viele Schnitte „übersieht“ , dann verstehe ich darunter einen guten Schnitt. Wenn dann auch noch die Bildreihenfolge einen Sinn ergibt, wäre das ein Sahnehäubchen.

9. Was wird von einem Cutter erwartet? Welchen Belastungen ist er ausgesetzt?

Von einem Cutter wird mal mehr, mal weniger erwartet. Vielleicht sollte ich sagen: Mal wird zu viel erwartet, mal zu wenig. Es kommt darauf an, wer die Erwartung an den Cutter richtet. Wenn es ums handwerkliche Können geht, muss ein Cutter schnell sein und er sollte wenige Fehler machen, heisst keine Bildsprünge oder Lücken produzieren und auf einen sauber gepegelten Ton achten. Wenn von einem Cutter viel Kreativität gefordert wird, kann es auch mal zur Überforderung kommen, wenn dann beispielsweise das Material nicht viel hergibt (inhaltlich oder technisch) um damit interessante Effekte zu bauen.

Allgemein sollte der Cutter belastbar sein. Man sollte unter Zeitdruck korrekte Arbeit machen können. Mit Kritik umzugehen ist sicher auch eine Eigenschaft, die man sich als Cutter anschaffen sollte. Auf „Verbesserungsvorschläge“ eingehen bzw. diese dann auch mal mit den richtigen Argumenten und den richtigen Worten abzulehnen, ist sicher auch eine Art der Belastung – manchmal.

10. Was würden Sie einem Berufseinsteiger zusätzlich mit auf den Weg geben?

Einem Berufseinsteiger würde ich zurufen: Hab bock auf Bewegtbildpuzzeln, motivier dich immer wieder zu besserem und scheiß dich ins kalte Wasser. Doch obacht: wer sich selbst zu früh überschätzt kann böse auf die Nase fallen. Lieber länger mit den Fingern auf der Tastatur bleiben und den Mauszeiger navigieren, als zu früh zu große Verantwortung an sich zu reissen.

Website von Markus F. Wagner

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Berufsbild Cutter: Übersicht & Aufgaben, Ausbildung & Studium

1. Was ist ein Cutter oder Filmeditor?

Bei Film- und Fernsehwerken handelt es sich beim Schnitt, der Montage und dem Editing um die schöpferischen und eigenverantwortlichen Tätigkeitsbereiche in enger Zusammenarbeit mit der Regie. Die Hauptaufgabe der Cutter oder auch Filmeditoren liegt in der Montage all der gefilmten Szenen und in der Herstellung einer nachvollziehbaren Verbindung der einzelnen Filmabschnitte. Da erst im Schnitt Drehbuch, Kamera- und Regiekonzeption überprüfbar sind, erfordert dieser Beruf ein gutes Maß an Empathie, aber auch kritische Distanz und analytisches Einschätzungsvermögen.

2. Voraussetzungen für eine Tätigkeit als Filmeditor

Trotz der inzwischen hauptsächlich digitalen Arbeit eines Film- oder Videoeditors haben sich die Anforderungen an die kreativen Fähigkeiten nicht verändert. Sowohl das schnell Einarbeiten in verschiedene inhaltliche Themenbereich, als auch ein gutes Einfühlungs- und Analysevermögen, gelten als essenzielle Grundlagen. Außerdem sind ein Basiswissen in der Bild- und Tonaufzeichnungstechnik, sowie ein bildästhetisches Urteilsvermögen notwendig. Editoren und Schnittassistenten brauchen auch ein umfassendes über filmtechnische Abläufe und Zusammenhänge – egal ob es um Effekte, Titel, Synchronisation, Vertonung oder Tonmischung geht. Da die technischen Hilfsmittel sich stetig weiterentwickeln, werden für alle Editoren regelmäßig Weiter- und Fortbildungen notwendig.

Seit 1996 gibt es, neben dem Abschluss an einer staatlichen Filmhochschule für die Fachrichtung Schnitt, auch eine staatlich anerkannte Berufsausbildung zum Film- und Videoeditor. Diese bildet, zusammen mit einer Tätigkeit als Schnittassistenz, die Grundlage für den Beruf des Filmeditors.

3. Der Aufgabenbereich

Die verschiedenen Aufgaben eines Editors gliedern sich in zwei Hauptbereiche. Im daramturgisch-erzählerischer Bereich, der sich mit der Ausarbeitung des Filmkonzepts und dessen Umsetzung im Schnitt beschäftigt, spaltet sich die Hauptarbeit in zwei Teile auf:

1. Rohschnitt

Ein Filmeditor muss hier die Wirkungen verschiedener Szenen beurteilen können, um später ihren Ablauf, ihre Dramaturgie und ihren Rhythmus herzauszuarbeiten. Auch, wenn sich der Gesamtablauf noch nicht nach dem Drehbuch richtet, werden schon bei dieser frühen Schnittfassung des Filmes Entscheidungen über die letztendliche Erzählform getroffen. Alle weiteren Veränderungen der Erzählstruktur des Films erfolgen danach durch eine Neuordnung von Schnittfolgen, Umschnitte und Kürzungen.

Hier wird sozusagen die Hauptarbeit der Montage geleistet. Sobald der erste Rohschnitt vorliegt, nimmt die Vision vom fertigen Film erste Konturen an, es wird klar, was gemeint ist und was der Film sagen will.

2. Feinschnitt

Beim Feinschnitt arbeitet der Filmeditor kleine Verbesserungen in die Rohschnittfassung ein. Dazu gehören Verlängerungen, Kürzungen, und kleinere Umstellungen von Szenen. In diesen Arbeitsschritten werden Tempo, Rhythmus und Timing des Film exakt aufeinander abgestimmt. Während der Film nach dem Rohschnitt sagt, was er erzählen möchte, wird erst beim Feinschnitt klar, wie er das Der handwerklich-technische Bereich beinhaltet die gesamte technische Begleitung des Endfertigungsprozesses und die korrekte Fertigstellung des Filmes zum vereinbarten Termin. Folgende Aufgaben kommen dabei auf einen Filmeditor zu:

  • Workflow-Besprechungen vor und während des Drehs zur Rückmeldung bereits gedrehter Einstellungen
  • Absprache mit Kamera, Data Wrangler, Schnittassistenz oder Farbkorrektur zur technisch korrekten Verarbeitung verschiedener Bildformate
  • Eventuelles einbringen von Effekten in die Bildebene
  • Bearbeitung des O-Tons. Beinhaltet die technische Überprüfung und den O- Tonschnitt
  • Eventuelle Festlegung der Sprachsynchronisation
  • Dramaturgische Gestaltung der Tonebene
  • Musikschnitt- und Mischung

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